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Das Erste Mal

Das erste Mal kann der Anfang von etwas Wundervollem sein - aber ebenso direkt das letzte Mal des Gleichen bedeuten. Haben sich gute Erinnerungen damit verknüpfen lassen, neigt man eher zur Wiederholung, als wenn das Gegenteil der Fall ist.

 

Schon oft hatten Cosima und ich darüber gesprochen, gemeinsam eine Nacht im Wald zu verbringen. Doch dann folgte einem verplanten Wochenende das Nächste. Schnell verstrich die Zeit und der Sommer drohte in dieser Hinsicht ungenutzt vorüber zu gehen.

 

Eine Gelegenheit, die wir sofort ergriffen, ergab sich, als unsere Samstag-Abend-Verabredung absagte. Wir beschlossen, die Zeit zu nutzen und wandern zu gehen. Cosima schlug vor, endlich den Doppelschlafsack einzuweihen, den wir extra für eine solche Übernachtungstour gekauft hatten. Das lies ich mir nicht zweimal sagen: Schnell klickte ich eine Route rund um das Kloster Engelberg bei Miltenberg zusammen und machte mich ans Packen der Ausrüstung.

Aufgeregt, wie vor dem ersten Date, fand ich in der Nacht zum Samstag nur wenig Schlaf. So kam es, dass wir uns erst am späten Vormittag auf den Weg nach Freudenberg machten. Es war bereits 12 Uhr am Mittag, als wir vom Parkplatz los liefen und in der größten Mittagshitze die schier unendlichen Stufen zur Freudenburg hinauf stapften. Ein stärkendes Picknick im Schatten an der Burg gab uns den nötig gewordenen Motivationsschub, um weiterzulaufen. Als es dann weiter ging, fanden wir schnell ein gemeinsames Tempo und erfreuten uns an der schönen Gegend. Jeder Schritt brachte uns mehr Entspannung und näher an kühles Klosterbier und einer deftigen Brotzeit, welche uns in 18 km erwarteten.

 

 

Unterwegs kamen wir an den Überresten des kleinen Räuberschlösschens vorbei, an dem Schatzsucher mit Metalldetektoren den Boden absuchten. Ich denke, spätestens da war Cosima voll dabei. Immer wieder gab es am Wegrand bearbeite Sandsteinblöcke zu sehen, aus denen einmal Säulen hätten werden sollen. 

An einem Pfad entlang den Resten einer bronzezeitlichen Wallanlage stießen wir auf ein rekonstruiertes Steintor mit Palisaden (Bild 2). 

 

An der nie fertiggestellten Centgrafenkapelle (Bild 3 und 4) machten wir Rast und plünderten unsere Vorräte. Wie immer, wenn wir zusammen sind, verging die Zeit wie im Flug, so dass diese knapp wurde. Wir mussten deshalb Miltenberg und die Miltenburg links liegen lassen und dem Main direkt nach Großheubach folgen. So erreichten wir dann gegen 19 Uhr das Kloster Engelberg noch innerhalb der Öffnungszeiten. Nach einer ausgiebigen Brotzeit und gutem Klosterbier im Klostergarten machten wir uns wieder auf den Weg zum eigentlichen Ziel: Der Übernachtung!

Schon kurze Zeit später fanden wir einen geeigneten Schlafplatz. Das wenige, was wir brauchten, war schnell ausgepackt und bald lagen wir zusammengekuschelt in unserem Schlafsack unter freiem Himmel.

 

Trotz der Erschöpfung dauerte es, bis wir zu Ruhe kamen. Zu viele unbekannte Geräusche und neue Eindrücke machten es Cosima nicht leicht. Immer wieder knackte es und Tiere gaben gespenstische Laute von sich. Ihre Aufregung lies mich schmunzelnd an mein erstes Mal im Wald denken. Es machte mich sehr glücklich, dass ich dies nun mit ihr teilen konnte. Manche Sachen kann man nicht nur erzählt bekommen: Man muss sie selbst fühlen und erleben!

 

Ich weiß nicht mehr, wann ich aufwachte, aber es war längst hell. Auch waren schon die ersten Jogger zu sehen, woher auch immer sie kamen. Offensichtlich lagen wir weniger abgelegen und näher am Weg, als ich dachte. Ich bin mir nicht sicher, ob sie uns tatsächlich nicht gesehen haben oder uns netter Weise ignorierten.

 

Während des Frühstücks näherte sich ein Reh, welches wir eine ganze Weile beobachten konnten, bis es uns bemerkte. Leider konnte ich kein Foto machen. Ich versuchte noch nicht einmal an meine Kamera zu kommen, denn ich war sicher, das kleinste Geräusch würde es aufgeschrecken und vertreiben. Ein weiteres Reh näherte sich etwas skeptischer und anders als sein Vorgänger ergriff es direkt die Flucht, als es uns entdeckte.

 

Zurück am Auto zeigte der GPS-Tracker, dass wir es auf knapp 30 km gebracht haben. Keine schlechte Leistung für eine 24-Stunden-Tour: 

 

 

Was bleibt von dieser Tour? Viele Fotos habe ich diesmal ja nicht gemacht, aber dafür nahmen wir viele gute Erinnerungen und ein gutes Gefühl mit nach Hause. Außerdem sind bereits erste Pläne für neue Touren am köcheln. Inzwischen haben wir auch richtiges Schuhwerk für Cosima gekauft, welches natürlich bewegt werden will. Der Grundstein für kommende Abenteuer dürfte damit gelegt sein. Es bleibt spannend!

 

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