PHRIX - Alte Papierfabrik

 

Einst sorgte die Papier- und Zellulosefabrik Phrix für Lohn und Brot für die Menschen aus der Umgebung. Dann wurde sie 1971 aufgegeben und verlassen. Mit der Zeit wurde sie zum Schandfleck der ganzen Umgebung und dem Verfall und den Plünderern überlassen. Die Besitzer wehren sich laut der Hausmeisterin inzwischen mit Kameras, Polizei und Anwälten gegen ungebetene Gäste. Deshalb sei an dieser Stelle von Besuchen ohne deren Erlaubnis dringend abzuraten. 

 

 

Gegen 9.00 Uhr ging es los: Das Gelände konnte unter Aufsicht der Hausmeisterin erkundet werden. Aber so wollte keine Abenteuerlust aufkommen. Kein Herzklopfen. Keine Spannung. Keine Vorfreude auf eigene Entdeckungen. Die Mitstreiter waren für meinen Geschmack zu mechanisch und zu sehr auf ihr jeweiliges Hightech-Fotoequipment fixiert. Die Phrix selbst geriet auf der Jagd nach dem perfekten Foto in den Hintergrund. Alles was zu entdecken war, wurde schnell entdeckt, abgelichtet und entzaubert. Dennoch versuchte ich mich ebenfalls an ein paar Fotos.

 

 

Das Tempo, mit dem es durch die Räumlichkeiten ging, war nicht meins. Mal war es zu schnell, mal zu langsam. So eröffnete sich für mich keine Möglichkeit in die Atmosphäre einzutauchen. Gern wäre ich mit der alten Fabrik allein gewesen um den alten Mauern zu lauschen was sie zu erzählen hätten. 

 

Natürlich jammere ich auf hohem Niveau, denn gelohnt hat sich der Ausflug trotzdem für mich. Das eine oder andere Foto ist mir ja gelungen. Trotzdem wünsche ich mir, den nächsten Ort wieder entdecken und fühlen können. Ganz leise und mit klopfendem Herzen. 

 

 

So wie ich nachlesen konnte, hat sich eine Investorengruppe das Grundstück mit einer Größe von 35.000qm einschließlich der 20 Gebäude unter den Nagel gerissen. In Kürze sollen hier 300 hippe Loftwohnungen mit Wohnflächen zwischen 100 und 300qm entstehen. Klar, dass hier wohl kaum der Normalbürger einziehen wird. Wahrscheinlich wird man hier nie Kinder herumlärmen hören, nicht sehen wie sie spielen und toben. Keine Familien, die nach der Arbeit in den parkähnlichen Anlagen entspannen. Zwar sieht die Bürgermeisterin, laut dem FAZ-Artikel, in dem „Jahrhundert-Projekt“ (*1) eine einmalige Chance, das Industriedenkmal an die Okrifteler Bürger zurückzugeben, doch die Zukunft wird zeigen wie viele Okrifteler sich diese Lofts leisten werden können. Viel wahrscheinlicher werden gut betuchte, mit gut bezahlten Jobs, in die sterilen Lofts einziehen und mit Ihren iPads in der schnieken und penibel gepflegten Anlage herumhängen. Die eingesessenen Anwohner dürfen sich dagegen über den rasant anwachsenden Berufsverkehr freuen. Wem das zu pessimistisch klingt, braucht sich nur die neuen tollen Wohnflächen in Frankfurt und Offenbach in Mainnähe anschauen. Die sind ebenfalls für die breite Masse unbezahlbar...

 

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