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Moment der Klarheit?

Irgendwie sind wir ja alle auf der Suche. Die einen suchen das große Glück in irgendwelchen materiellen Dingen, Karriere oder was auch immer. Manchen würde auch schon etwas Klarheit über Sinn und Unsinn reichen. Am Freitag bekam ich wieder einmal das Gefühl den Überblick zu verlieren. In mir machte sich eine unerträgliche Unruhe breit und so beschloss ich spontan aufzubrechen. Ich musste raus und mich aus dem Spiel nehmen, wenn es auch nur für einen kurzen Augenblick sein würde. So kurzentschlossen brach ich also Freitagabend auf um eine kleine Winter-Tour um den zugefrorenen Steinbruch zu machen.

 

Ich war spät dran, was aber nicht schlimm war, denn einen Schlafplatz hatte ich mir bereits ausgesucht und sonderlich verstecken musste ich mich auch nicht, da bei -10°C kein "Besuch" zu erwarten war. 

Bereits nach wenigen Minuten lag ich im Schlafsack. Schnell setzte die Entspannung ein und ich genoss die Situation: Mit freiem Blick auf den klaren Sternenhimmel lauschte ich wie ein leichter Wind durch die Bäume raschelte. Über mir schien ein Kauz zu kreisen, den ich rufen hörte. Ansonsten war es komplett still und friedlich. Es wurde langsam warm im Schlafsack. Ich atmete durch, ließ den Alltag los und schlief sehr schnell ein. 

Geweckt wurde ich morgens von den ersten Flugzeugen. Ein Ärgernis, welches sich hier in der Gegend leider nicht verhindern lässt. Ich hatte gut geschlafen, trotz, dass die neue ISO-Matte nicht ganz das gehalten hatte, was ich mir von ihr versprochen hatte.

 

 

Ich fühlte mich erholt und klar im Kopf. Der Moment der Klarheit ist ein schöner! Selten ist der Mut größer und der Weg deutlicher als in solch vermeintlich klaren Momenten. Man atmet durch und ist zu allem bereit: Man will es anpacken! Endlich alles in Ordnung bringen! - Doch oft sind diese Momente nur Illusionen. Vermutlich handelt es sich hierbei um die gleiche Art der Illusion, durch die man jedes Jahr aufs Neue die Hoffnung und unerledigten Sachen in das neue Jahr schiebt: Das nächste Jahr wird meins! Im nächsten Jahr wird alles anders! Ich höre auf zu rauchen… ich mache dies oder werde jenes. Man läuft los - fängt an zu rennen. Doch plötzlich schnappen die alten Scheuklappen in ihre gewohnte Position zurück, schränken das Blickfeld wieder ein und alles ist wie immer. Das Gefühl der Klarheit wird zur Erinnerung. Nichts ist entschieden. Nichts ist klar und der Weg liegt wieder im Nebel. Trotzdem rennt man weiter, schrabbt rechts und links irgendwo dagegen, holt sich neue Narben. Strauchelnd wird man langsamer, tastet sich aber weiter nach vorn. Wo auch immer das dieses "Vorn" sein mag. Hauptsache nicht stehenbleiben und nicht zurückblicken. - Doch davon bin ich im Moment weit weg. In Ruhe packe ich meinen Kram und warte auf den Sonnenaufgang. Ich beschließe noch ein bisschen frei zu bleiben und gehe auf Motivjagd:

 

 

Als ich das Paradies verlasse drehe ich mich noch einmal um. Lächelnd atme ich durch. Versuche so viel wie möglich von der positiven Energie zu konservieren und mitzunehmen. Dann steige ich zurück aufs Karussell, welches direkt wieder Fahrt aufnimmt. Es dreht sich zwar etwas langsamer als gestern, aber schon beginnen die Konturen der Umgebung zu verwischen. Schnell und hart holt mich die Wirklichkeit ein und die letzten Stunden werden zur Erinnerung.

 

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