Rückkehr zum Hoherodskopf

 

Dieser Blog-Artikel ist etwas Besonderes – zumindest für mich. Erstmals kann ich aus zwei Perspektiven berichten, denn ich habe eine Gastschreiberin. Sie hat eine, wie ich finde, schöne Art Ihre Gedanken und Gefühle zu bestimmten Ereignissen aufzuschreiben und so für sich zu bewahren. An diesem darf ich Euch teilhaben lassen. Zwar anonym, aber das macht es nicht weniger spannend. Um den Text im Fluss zu halten werde ich einfach immer von IHR und von SIE sprechen und ihren Beitrag in kursiv schreiben.

 

Immer wieder sprachen wir davon, dass wir einmal eine Tour zusammen machen sollten. Spontan, wie sich oft die besten Dinge ergeben, fand sich ein Zeitfenster für unsere erste gemeinsame Tour. So begann ich erst einen Tag vorher mit der Planung. Was nicht schlimm war, denn das Ziel war schnell gefunden: Schon länger zog es mich zurück an die Anfänge meiner Outdoor-Aktivitäten. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen dem Ruf zu folgen. Ich wollte das Gefühl meiner ersten Tour erneut erleben und dieses wollte ich IHR vermitteln. Ohne es in Worte fassen zu müssen. Wollte Ihr zeigen warum ich da draußen herumrenne und was das Draußen-Sein für mich bedeutet. So hatte ich zwar eine grobe Vorstellung der Tour und auch einige Orte, die ich ansteuern wollte, doch sollte diesmal allein der Weg das Ziel sein. Es galt einzig das Nachtquartier und am nächsten Tag das Auto wieder zu erreichen. 

 

 

Ich bin oft wandern, naja, für einen Stadtmensch klingt es eleganter spazieren zu gehen. Nur habe ich als Flachland-Tiroler keine Vorstellung gehabt, was 900 Höhenmeter bedeuten können. In meinem jugendlichen Leichtsinn, stimmte ich einer zweitägigen Wanderung zu. Bewaffnet mit meinem super tollen Rucksack, meinen noch viel besseren mit Spaziergängen erprobten Wanderschuhe und der scheinbar richtigen Wanderkleidung.

 

Der Tag sollte nun kommen. Das Auto wurde in irgendeinem Dorf geparkt, der Motor ging aus, die Tour konnte starten: Der Schnee begann zu fallen und selbstverständlich sollte es die nächsten 2 Tage auch nicht aufhören zu schneien. 

 

Das Wetter gab alles. Je höher wir kamen, desto mehr schloss sich die Schneedecke. Der Wald schützte uns vor dem eisigen Wind. Erstaunlich schnell fanden wir unseren Rhythmus und machten zügig Strecke. An den Stellen, an denen der Wald normaler Weise einen Blick auf freigab, zeigte sich uns nur eine weiße Wand aus Schneegestöber. Dafür bot der Wald einen besonders schönen Anblick. Der Kontrast zwischen den dunklen Bäumen, dem bunten Laub und dem Schnee war unglaublich.

 

 

Nachdem der erste Berg (für Wanderprofis ein Huster an Berg) erklommen war, hörte ich mich das erste Mal schnaufen, wie lange bis zur ersten Pause. Als ich mich den Witterungsverhältnissen, den Bergen und dem Wenig-Reden-Dürfen (Bergauf benötige ich mehr Luft zum Laufen, statt zum Quatschen) angefreundet hatte, entpuppte sich eine Waldkulisse, die ich so noch nie wahrgenommen hatte. Die Stille, trotz der tobenden Schneeflocken in meinem Ohr, ein Wald der nicht friedlicher sein konnte, die Wanderwege endlos und dennoch bezaubernd schön. Ein Reh, das ich beobachte. Naja, vielleicht hat es mich beobachtet, seine Meinung über mich Stadtkind bildete und davon sprang. Mein Kopf begann sich zu ordnen, mir jedoch den Schmerz in meinen Füßen nicht nehmen wollte und die von Schweiß vollgesaugten Baumwollklamotten nicht verschönern konnte.

 

Irgendwann streiften wir auch den Parkplatz, auf dem ich mein Auto während meiner ersten Tour geparkt hatte. Mich überkam ein Gefühl des Heimkommens. Ich war total glücklich wieder da zu sein. Alle Sorgen und Probleme hatte ich irgendwo unterwegs fallen lassen und so konnte ich den Moment auskosten.

 

 

Die erste Pause machten wir tatsächlich erst an der Nidda-Quelle, die wir viel schneller als gedacht erreicht hatten. Viele Erinnerungen an meine erste Tour schwirrten mir im Kopf herum. An IHREM Gesicht konnte ich sehen, dass sie ebenfalls mit ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigt war. So sprachen wir nur wenig und genossen die Mahlzeit und heißen Tee im Schutze der Hütte.

 

 

Auf den nächsten Bildern kann man den Kontrast, der sich uns bot, sehr schön sehen: War hier noch alles schneeweiß, war dort noch alles herbstlich bunt.

 

 

Nach den ersten 20 km, die drapiert waren mit kleinen Geschichten zu bestimmten Schluchten, Teufelstischen, Felsenbergen und meinem nicht mehr erkennbaren Wanderkörper, wurde die Unterkunft erreicht: Die Tür öffnete sich, ein mir vertrauter Geruch aus Kindertagen, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Das Restaurant ließ mein Herz erblühen und mich nostalgisch in die Vergangenheit bringen. Die Speisekarte verriet mir eine Soljanka speisen zu müssen - aus Omas Suppenschüssel. Ich empfand es als eine absolute Belohnung nach diesem Tag, solche Ergüsse zu erleben. Das ging nur so lange gut, bis die Dame des Hauses nicht bemerkte, dass ich gerne alleine mit meinen Gedanken sein möchte und der Klang ihrer Stimme, gefüllt mit irgendwelchen Worten, die ein Gespräch ergeben sollten, mir Kopfschmerzen bereitete. Nun hatte ich einen vollständig schmerzenden Körper, der einfach nur nach Ruhe schrie. Um den Worten der Dame des Hauses nicht weiter hören zu müssen, malte mein Kopf Bilder einer heißen Dusche und sollte eine Weile später erleben, dass auch zu später Stund noch alles ganz anders kommen kann. Mein Waschbeutel war dünn besiedelt, da in jedem Hotel Duschcreme und große Handtücher zu finden sind und mein Rücken den zweiten Tag noch überstehen sollte. Das aller erste Mal in meinem Leben, wusch ich keine Klamotten mit Kernseife sondern mich. Das kleine Handtuch von mir noch weitere sportliche Aktivitäten erforderte, damit ich endlich trocken und todmüde ins Bett fallen konnte.

 

Das Hotel war schon der Kracher! Anfangs schien es wie im Traum: Wir schwelgten in Ostalgie-Erinnerungen und es war, als wäre die Zeit an diesem Örtchen stehen geblieben. Fast wären wir wieder gekommen! Bis zu einem gewissen Punkt habe ich für vieles Verständnis! Aber, dass man nicht in Ruhe fertig Frühstücken kann, geht selbst mir zu weit! Doch haben wir uns die Stimmung nicht verderben lassen und zogen weiter. Wir hatten ausreichen Proviant und gutes Wetter, so konnten wir uns später ein zweites Frühstück in Ruhe und mit heißem Kaffee gönnen.

 

 

Der nächste Morgen in diesem Hotel machte es nicht besser und ich ergriff die Flucht, auf zu den letzten 20 km. Der Schnee nun an einigen Stellen knietief um meine Beine geschlungen, Wege mit umgefallenen Bäumen, mich zwangen vom Wege abzugehen, Füße die versuchten mich zu tragen und schon wieder nass waren.

 

 

Als letzten Gruß bekamen wir einen unglaublich schönen Sonnenuntergang präsentiert:

 

Bilder und Erinnerungen in meinem Herzen sind, die mir keiner nehmen kann. Jederzeit würde ich solch eine Wanderung noch einmal machen, nur mit Wasserdichten Schuhen, richtiger Wanderkleidung und Duschbad im Rucksack.

 

 

Danke Kai, für die wunderschöne Wanderung und die Geduld mein Gerede mit letzter Puste zu ertragen!!!

 

War mir ein Vergnügen! In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal! Hoffentlich bald!

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